Die Geburt wiederholt sich unser ganzes Leben
Die Geburt wiederholt sich unser ganzes Leben
Meine Mutter bekam mit mir ihr 2. Kind. Sie war noch jung, mit Anfang 19 damals noch sehr jung. Die Erfahrungen mit meinem Bruder, den sie bereits mit 18 Jahren in der Klinik geboren hat, waren abwertend und gemein: ’Die sehen wir jetzt jedes Jahr hier wieder….‘ Die Pille gab es seinerzeit noch nicht.
Ich fühle Mitgefühl und ich bekomme eine Ahnung von dem, wie sich meine Mutter damals gefühlt haben musste.
Bevor sie mit mir ins Krankenhaus ging, zögerte sie den Moment der Geburt noch etwas hinaus, soweit, bis es nicht mehr ging und ich bei der ersten Untersuchung schon mit geöffnetem Muttermund empfangen wurde. Die Geburt ging schnell und vom Betreten des Krankenhauses bis zur Geburt vergingen gerade mal 2 Stunden.
Wie mag sich das für mich wohl angefühlt haben?
In meiner täglichen Praxis erlebe ich, dass sich die eigene Geburt oftmals sehr deutlich im Leben meiner KlientInnen in bestimmten Situationen und im Alltag immer wieder zeigt. Ob es schnell oder langsam, erschöpfend oder kraftvoll, mit oder ohne Hilfsmittel sich angefühlt haben mag, es spiegelt sich in unserem täglichen Leben wieder. Und beim Schreiben verdeutlicht es sich mir auch gerade zunehmend.
In meinem Leben bringe ich immer wieder viel Geduld auf, obwohl ich tendenziell sehr ungeduldig bin. Ich warte in Situationen auf den ‚Startschuss‘ , mit anderen Menschen, in Beziehung bis der andere (endlich) soweit ist und wenn er soweit ist, presche ich voran und kann nicht mehr aufgehalten werden. End-lich geht es los und schon möchte alles – schneller als die Polizei erlaubt – umgesetzt sein….
Ich fühle Mitgefühl mit mir. Immer wieder dieses warten auf den richtigen Moment – bis die anderen endlich ‚soweit‘ sind. Es bringt mich teilweise schier um den Verstand. Der Druck in mir wird größer und größer, ich fühle mich in meiner Ent-wicklung zurück gehalten oder besser noch auf-gehalten. Sie rauben mir zeitweise regelrecht meine Lebenszeit – so ist zumindest öfters mal der Gedanke in mir. Dass macht mich im Alltag und in der Beziehung manchmal schier wahnsinnig.
Ja kein Wunder, ich wäre ja auch schon längst da, wenn meine Mutter den Geburtsprozess nicht zurück gehalten hätte. Da, wo die anderen sich vielleicht noch orientieren, wollte ich direkt ins Leben.
Und jetzt kann ich auch meine Geschwindigkeit mehr und mehr nachvollziehen. Da, wo ich eigentlich geboren werden wollte und meine Mutter mich zurück gehalten hat, da musste ich warten, erstarren, um mich dem Außen anzupassen und mich dem Wunsch ja nicht zu widersetzen. Und so ist es heute auch noch. Ich warte und warte, beobachte, verstumme, erstarre zunehmend…. Und dann kommt das GO von außen und ich bin nicht mehr aufzuhalten.
Heute frage ich mich natürlich, ob es mir noch nützlich und dienlich ist diese Erfahrung weiter zu leben. Es kommt mir eher wie ein Hindernis vor. Sowie, als ob ich am Leben gehindert werde. Ich möchte Leben – und zwar JETZT. Ich brauche keine Bremsklötze mehr, kein warten, ausharren, zurücknehmen oder zurück ge-halten werden. Nein, ich kann es – Jetzt, Hier und Heute! Meine Lebenszeit ist mir zu schade, als dass ich noch länger auf den richtigen Augenblick warten möchte.
Ich möchte JETZT leben!
Kurt Tepperwein schreibt in seinem Buch ‚Die geistigen Gesetze‘: ‚Das Leben ist wie eine einmalige Melodie, die du selbst auf dem Instrument des Lebens spielst. Deine Mutter, dein Vater, deine Geschwister, deine Freunde, alle versuchen auf deinem Instrument ihre Melodie deines Lebens zu spielen. Aber es ist dein Leben, für das du verantwortlich bist. Ganz gleich, was für ein Lied du spielst oder spielen lässt, du trägst allein die Folgen.
Spiele in deinem Leben die Hauptrolle!
Also beginne dein Lied selbst zu bestimmen, die einmalige Melodie deines Lebens. Wenn du einmal einen falschen Ton anschlägst, dann denke daran, dass keiner, der hier ist, fehlerfrei spielt. Aber lerne aus deinen Fehlern, sodass deine Melodie immer reiner erklingt. Eine Melodie, die dir Gesundheit, Liebe, Harmonie und Freude schenkt.’
Es ist sicher gut, die Langsamkeit in mir mehr entdeckt zu haben, denn dieser Moment zwischen 2 Augenblicken, zwischen Ein- und Ausatem, zwischen Traum- und Wachwelt, zwischen Leben und Sterben birgt die Stille, wo es keine Zeit und nichts mehr zu tun gibt.
Heute in meiner Geschwindigkeit laufen und die Schritte gehen, die für mich richtig & wichtig sind.
Ich möchte nicht mehr verstummen und aus-halten, sondern vielmehr mit meiner Stimme wieder den Ausdruck meiner Selbst finden. Nicht mehr vor aufgestautem Druck der Zurückhaltung kleinlaut und vorsichtig, gar stumm agieren oder mich vorzugsweise schriftlich ausdrücken. Nein, ich möchte kraftvoll und lebendig meiner Stimme Ausdruck geben. Dem ‚Druck‘ Raum geben und somit mir Raum geben -aussprechen, was ist.
Und wenn wir am Anfang des Kennenlernens eines neuen Pols stehen, ja, so schießen wir vielleicht auch mal über das Ziel hinaus. Aber auch das anerkennen und sehen, dass wir uns in beiden Polen Wiedererkennen können, um dann in eine harmonische Balance zu kommen.
Ich möchte immer mehr Erwachen zu meinem Selbst und die Wahrheiten in mir finden. Ich möchte einfach so sein, wie ich bin, meiner Wahrheit Ausdruck geben und dem was in mir klingt folgen. Das was in mir Freude, Harmonie und tief in mir Liebe bereitet, sodass die Reinheit meiner Melodie immer höher schwingen darf…
Ich fühle mich in meinem Herzen berührt und bin mehr ein Stück des Weges zu mir selbst geworden.
Marion




Blog - Freude in dir - Heilpraxis Craniosacrale Therapie, Traumatherapie, Resonanztherapie, Psychotherapie & Coachings - Marion Welz - Heilpraktikerin Berlin Pankow-Reinickendorf
Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!