Traumafolgen – ein Erklärungsversuch
Dunkelretreat – ein Selbstversuch
Sehr spontan und ohne große Vorbereitungen begann ich am 25.12..2025 mein Dunkelretreat als Selbstversuch. Schon die Wochen zuvor war ein tiefes Bedürfnis nach Rückzug & Stille in mir und da es sich spontan ergeben sollte, dass ich diese Tage allein verbringe, setzte ich diesen in mir wohnenden Wunsch direkt um.
Ich kochte noch am selben Vormittag 2 weitere Essen und versuchte, das nötigste herzurichten. Ich hatte ja keine Ahnung und auch noch nie ein Dunkelretreat durchgeführt. Aber was sollte schon dabei sein: es musste dunkel und möglichst ruhig sein.
Gewappnet mit diversen Brillen (Dunkelbrille, Schlafbrille) und Augenkissen, frischer Luft in allen Räumen, entfernen von Stromquellen mit möglichem Licht, Essen mit Belag in einem Fach im Kühlschrank, ausgeschaltetem Handy und funktionierenden Festnetz für den Notfall begann ich um 16:30 meine Idee in die Praxis umzusetzen. Ich gebe zu, ich war etwas aufgeregt: Gedanken wie mögliche Gefühlsüberschwemmungen, Ängste, gar Halluzinationen begleiteten mich, wobei ich nur davon gehört hatte, dass durch die Reduktion der Sinneswahrnehmungen das Ego leiser werden kann.
Gespannt setzte ich meine Dunkelbrille auf und startete – einfach so. Ich legte mich auf das Sofa und atmete. Es war still in mir. Voller Erwartungen. Nichts geschah. Es war einfach dunkel, still und total unspektaktulär…
Für den ersten Abend hatte ich mir für 19:00 den Wecker zum Essen gestellt. Ich entschied mich, noch ein paar Dehnübungen zu machen und auf das Abendessen zu verzichten. Schließlich wollte ich früh zu Bett gehen. Gegen 19:30 ging ich nach oben und legte mich ins Bett, meine Zahnroutine hatte ich bereits im hellen noch fertiggestellt. Ich lag im Bett, es war dunkel und still. Keine Gedanken. Da kam dann der Gedanke, dass das merkwürdig sei. Ich fühlte mich sogar wohl. Ich beobachtete die Stille. Einschlafen konnte ich nicht so schnell und so besuchte mich meine ‚gute Seele‘ in mir. Sie stieg direkt aus dem Herzen hoch und zeigte sich mir. Mit dieser und dem Augenkissen wurde ich schnell müde und schlief ein. Die Nacht war unruhig und sämtliche am Tag nicht gedachte Gedanken spulten sich in der Nach ab – so zumindest mein Eindruck.
Am Morgen wurde ich auch schon sehr früh wach. Ich lag und… wartete… in der Stille… auf den Wecker. Denn ich hatte mir 3 feste Zeiten am Tag gesetzt – Frühstück – Kaffee – Abendessen, um zumindest eine grobe Orientierung zu haben und nicht komplett meinen Tag-Nachtrhythmus zu verändern.
Mit der Morgenroutine begonnen, die aus meiner Sicht viel länger dauerte als mit Tageslicht, waren doch die Handgriffe sehr sicher und die gewünschten Dinge gut zu finden. Ich ging wieder nach unten und bereitete mein Frühstück vor. Es war laut: der Wasserkocher, der Toaster,… Sehr bedacht war ich mit meiner geliebten Kaffeetasse, dass mir hier ja kein Maleur passierte. Ich begann das Frühstück und schnitt Gurkenscheiben und Käse ab – sehr unterschiedlich dick, wie ich feststellte. Egal, es landete ja eh alles zusammen in Mund und Magen. Schnell war alles verputzt und jetzt galt es nur noch aufzuräumen und… Ruhen.
Ruhen, schlafen, dehnen, Ruhen, schlafen, essen, ruhen, schlafen, lüften, gehen, Ruhen schlafen, ruhen schlafen,…
Ich war überrascht, wie schnell ein Tag verging mit ruhen, schlafen, essen, dehnen,….
Mein Kopf blieb ruhig, ich hatte keine großen Ambitionen, besonders ins Grübeln zu kommen. Es kamen immer mal wieder Gedanken hoch zu Personen, Situationen, … die ich aber alle meist im vorbeischwirren beließ. Ab und zu kamen einzelne Gefühle hoch: meist Traurigkeit, auch mal ein kurzer Ansatz von Angst, die dann beim darüber nachdenken auch schon wieder verschwunden war. Nichts besonderes. Ich hatte eher den Eindruck, dass die Ruhe und Dunkelheit auch die Emotionen und Gedanken flach hielt. Ich bin aber auch nicht reingegangen, ich dachte, es wird schon noch kommen…. Es kam nicht.
Ich war positiv überrascht, wie schnell die Zeit verging, ohne dass ich etwas getan hätte. Ich freute mich auf die Mahlzeiten, wobei das auch weniger wurde. Auch die hätte ich gut verschieben können.
Gerne hätte ich mich überrascht mit dem Essen,.so war alles sehr vorgegeben und auch irgendwie langweilig. Die Geschmäcker kannte ich aus all meiner Tagesroutine: Ingwertee, Carokaffee,…
Die 2. Nacht schlief ich gut und ohne jegliche Gedanken wachte ich auf. Es war ruhig und angenehm in mir. Die Tagesroutine nahm ihren Lauf: Aufstehen, Bad, Essen, ruhen, dehnen, schlafen und ich wechselte die Räume je nach Tagshighlight. Es war angenehm, soviel Raum zu haben oder auch mal nur ganz wenig.
Mit der Zeit war die Dunkelbrille etwas anstrengend, es juckte und der Druck war manchmal etwas viel. Die Nächte schlief ich ohne Brille, ich setzte sie nur am Morgen, wenn es draußen hell zu werden begann, wieder aufzusetzen, da die Rollläden doch keine komplette Dunkelheit schaffen – nur nachts.
Die 3. Nacht war wieder unruhig und auch hier verarbeitete ich viel in Träumen, die z. T.sehr ergebnisorientiert waren. So habe ich mit einem alten Arbeitskollegen Frieden geschlossen, eine Beziehung in die Harmonie geheilt und anderes, was ich schon wieder vergessen habe.
Die Tage nahmen Routine an und ich wartete auf das große Highlight, was nicht kommen wollte. Am 3. Tag war ich schon etwas unruhiger, aber nur leicht, kaum wahrnehmbar. Es kam der Gedanke auf, dass ich den Selbstversuch vielleicht länger ausprobieren müsse – ich habe ja oft andere Grenzen als meine Mitmenschen…. Gleichzeitig war ich in Spannung, wenn das Projekt beendet ist. Wie es mir dann wohl geht? Was sich verändert hat….?
Die letzte Nacht war sehr unruhig und ich konnte lange Zeit nicht einschlafen. Ich habe unruhige Beine bekommen, die am liebsten weg wollten. Eine Erfahrung, die ich kenne, wenn ich sehr übermüdet bin und spät ins Bett gehe. Dies war ja nicht der Fall, aber irgendwie ein Zeichen, jetzt auch damit zu sein. Ich war damit und schlief irgendwann ein. Am Morgen war der Gedanke, dass es bald Zeit sei, aufzustehen und schon kam der Wecker. Insgesamt ist mein Zeitgefühl genauer geworden, immer näher kam ich der tatsächlichen Zeit.
Diesen Morgen wollte ich besonders ‚im Dunkeln‘ verbringen und brit mir 2 Spiegeleier. Ich verwendete so viel Öl, dass es eher ein ‚frittieres‘ Ei war, aber lecker – echt! Ich führte noch mal alles sehr bewusst durch, wobei ich sowieso sehr achtsam war, immer konzentriert auf den Augenblick – wobei mir heute auffiel, dass ich dem Augenblick schon manchmal wieder vorauseilte. Vorauseilte, wie es wohl ist, das Licht wieder zu sehen…
Ich dehnte mich und ruhte noch mal und dann bin ich wie geplant um 11:30 (tatsächlich 11:33) dem Wecker nahe gekommen, weil ich einfach zu neugierig war. Ich machte die Rollladen ein Stück auf und guckte. Guckte, natürlich auch nach draußen, wo die Sonne schien, die Vöglein im Baum sangen. Es war hell, aber schön. Am besten gefiel mir vor der Tür zu stehen und die kalte Luft einzuatmen. Aber dann waren da die Geräusche und ich entschied mich, doch wieder rein zu gehen.
Ja, das waren meine Eindrücke dieses Selbstversuches und ich werde ihn sicherlich noch einmal für 7 Tage wiederholen.
Zwischendurch dachte ich: Ich kenne die Dunkelheit. Es macht mir gar nicht soviel aus. Das Alleinsein, was mir auch mal in Erinnerung kam, war nicht wirklich schlimm. Ich hatte es allerdings auch vor Jahren schon mal sehr intensiv gefühlt und vielleicht dadurch auch schon etwas ‚geheilt’…
Ein spannendes Erlebnis und auch jetzt, wo ich es schreibe, vernehme ich in mir noch eine besondere Ruhe, ein inneres Ankommen. Eine sehr gelungene Erfahrung…



Marion Welz
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