Ich fühle mich gefangen in mir

Marion Welz Heilpraktikerin Berlin - Pankow / Reinickendorf - körperorientierte Cranio-Sacral-Therapie, Traumatherapie.jpg

Ich fühle mich gefangen in mir

Kennst du das vielleicht auch? Ich fühle mich gefangen in mir. Mein Körper ist wie ein Käfig, der alles in sich hält. Emotionen werden (zurück)gehalten, die Stimme findet nicht ihren Ausdruck in der Welt. Du möchtest etwas sagen, aber bist schweigsam, fast stumm, beobachtend, abwartend – bis …. die Situation vorüber ist oder etwas ganz gehörig explodiert in dir und von jetzt auf gleich ungefiltert heraus kommt. Bamm. Da bin ich. Ganz oder gar nicht.

Ich frage mich: Wie finde ich meinen Ausdruck, ganz mit mir da zu sein in dieser Welt? Tränen laufen über mein Gesicht. In mir zeigt sich nebelhaft das Wort ‚erlauben‘. Also liegt es wieder mal an mir! Ein alter Glaubenssatz zeigt sich, der auch Wahrheit beinhaltet? Meine erlebte Wahrheit. Dieser Satz hat nicht nur etwas mit Schuld zu tun, sondern auch mit Verantwortung merke ich. Die Verantwortung für mich zu übernehmen. Ja, es kann sein, dass ich mich früher nicht erlaubt habe, weil ich mit meinen Worten und meinem Dasein ‚gestört‘ habe oder ‚zuviel‘ war. Vielleicht habe ich zu viele Fragen gestellt, die unbeantwortet blieben. Vielleicht hatten auch die Anderen eine größere Macht durch ihr Wissen und ihre Erfahrungen – und Erwachsen waren sie obendrein.

Mein Verstand sucht nach Erklärungen, möchte verstehen, um die Vergangenheit loszulassen. Wie wäre es, nicht alles verstehen zu wollen (denn mit allen Fragen sind wir wieder im Verstand), sondern es einfach so anzuerkennen? Ich erlaube mich nicht. Was wäre die Konsequenz daraus? Mich zu erlauben. Na dann, kann ich doch gleich hier und jetzt damit beginnen. Ich erlaube mich, so wie ich bin. Etwas wehmütig in der Vergangenheit weilend, anzuerkennen, dass ich mich in meinem Körper gefangen fühle, erkennend, dass ich selbst der Käfig bin. Es macht mich traurig, weil es sich so nicht stimmig anfühlt für mich.

Was würde sich denn stimmig anfühlen? Stimmig anfühlen würde sich für mich, dass ich jederzeit in meinen Ausdruck komme und mich zeige. Jederzeit bin ich so wie ich bin, ohne Angst, nicht reinzupassen, aufzufallen oder den Erwartungen nicht zu entsprechen, denn auch das ist ein Konstrukt meines Verstandes. Wer sagt mir denn, dass ich die Erwartungen nicht erfülle, wenn ich mich schon vorher zurückziehe und mich gar nicht erst zeige? Mich nicht traue und schon vorher aufgebe?

Ja, es braucht Mut, so zu sein, wie wir sind. Mit ganzem Mut voranzuschreiten und uns so zu zeigen, wie wir sind. Und wie schön wäre es, wenn es irgendwann keinen Mut mehr dafür bräuchte und einfach nur zu sein und uns erlauben, so in der Welt zu sein, wie wir nun einmal sind? Wieviel Energie weniger würden wir einsetzen für Fassaden und Schutpanzer, die ganz in unserem Sein Ausdruck finden könnten?

Es ist an der Zeit, unseren Selbstausdruck zu finden. Wie möchte ich da sein in der Welt? Wie möchte ich mich zeigen?

Für mich hat sich gezeigt, dass ich meiner Natürlichkeit in mir mehr Ausdruck geben möchte. Ganz authentisch da zu sein, mich nicht zu verstellen oder abzuwägen, gar misstrauisch abwartend zu sein oder mich sogar ganz zurückzuziehen. Nein, ich möchte in die Welt gehen mit allem was ist und so, wie ich bin.

In den letzten Tagen hatte zeigten sich schon wunderbare Augenblicke, die mich bestärken und an denen ich euch gerne teilhaben lassen möchte: Bei einem Hausbesuch legte ich mich zur Craniobehandlung mit auf das Bett einer 89jährigen. Sie fragte, warum ich diesmal von dieser Seite kommen würde (das Bett steht an der rechten Wand, sodass ich unbewusst die linke Seite mit Kontakt bevorzugt habe) und ich sage, weil es mich hierhin geführt hat. Später legte ich sogar noch ein Bein über die Klientin, damit es bequemer für mich ist. Das hätte ich mich früher nicht getraut – heute war es in Ordnung. In einem anderen Besispiel ging es darum, dass die Mutter einer Klientin offenbar meine Vergütung zu hoch empfand, was grundsätzlich ja ok it. Ich  bestand aber aus guten Gründen darauf, räumte dennoch spontan einen Rabatt ein (6 Sitzungen für  5), was ich früher so nicht getan hätte. Da wäre ich mit weniger Selbstwert gleich in die Reduktion gegangen; heute weiß ich, dass ich es mir wert bin und bin so ganz natürlich damit da – und es wurde akzeptiert. Noch ein letztes Beispiel:  Ich begleitete eine Klientin, deren Körper ebenso verschlossen war wie ich es auch manchmal von mir kenne. Mein Verstand ist gleich auf der Hut gewesen und rätselt, ob ich alles richtig mache, hinterfragt und möchte schon wieder ins Tun kommen. Mein Inneres bleibt in der Ruhe und wartet ab – siehe da, ohne wollen öffnet sich etwas und der Zugang ist da, es hat einfach nur etwas länger gedauert als gewöhnlich.

Diese Beispiele zeigen mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Dass ich auch in meiner ganzen Natürlichkeit da sein darf und akzeptiert werde damit. Denn wenn wir immer die gleichen Wege gehen, die schon gegangen wurden, kann wenig Neues entstehen und wir drehen einfach nur mit vielen anderen immer wieder dieselben Runden. Mein natürlicher Ausdruck symbolisiert ja nur meine Einzigartigkeit und warum sollte ich nicht damit da sein in dieser Welt?

Sich bewegen und sich raustrauen in die Welt. Sich zeigen, mit allem, was ist – immer wieder und immer wieder neu und offen damit da sein. Auch hier immer wieder neue Runden drehen und die Ausfahrt finden, damit wir mehr und mehr in unsere Entfaltung kommen.

Und wie wahr sich dieser Spruch gerade anfühlt für mich:

„Und es kam der Tag, da das Risiko, in der Knospe zu verharren, schmerzlicher wurde als das Risiko zu erblühen.“

(Anais Nin)

In diesem Sinne wünsche ich nur das Beste und Mut, für deine ganz eigene Entfaltung!

PS: Noch eine kleine Übung
In den Körper treten mit geschlossenen Augen. Sich ganz wahrnehmen und die Grenzen des Körpers spüren. Beobachten und in einem nächsten Augenblick die Augen öffnen. Wahrnehmen, mit dem Blick von innen nach außen treten und die Schönheit der Umgebung wahrnehmen. Ich sitze in meinem Garten und erlebe die Schönheit und Vielfalt der Natur. Ich habe mich geöffnet für das Außen und fühle mich nicht mehr gefangen in mir – wie wunderbar.
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