Ein bewegtes Leben

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Ein bewegtes Leben

Ich bin in der Vorbereitung zur Heilpraktikerprüfung. Der Morgen begann schon mit der Erkenntnis: Begegnung mit dem Ich. Diese Worte kamen mir bei der Meditation in den Sinn.

Ich nahm meinen Körper von außen war, wie die Luft in mich ein- und ausströmt, nahm die Verspannungen im Nacken-Halsbereich wahr und das Gefühl, ICH zu sein. Und damit meine ich nicht das Ego in mir. Ich meine das Ich, was immer präsent ist, die innere Stimme, die manchmal ganz laut wird, die innere Führung, wenn manchmal etwas total schief zu laufen droht.

Im Chat bewundere ich eine Kollegin im Umgang mit unserer derzeitigen Lernsituation. Sie berichtet davon, dass sie jetzt Waldbaden geht. Sehnsucht kommt in mir auf, gleiches zu tun. Ich wünsche Ihr viel Spaß und schreibe: „… Hut ab, wie natürlich du mit allem umgehst. Ich traue mich nicht, meine Komfortzone zu verlassen und mich in dieser Situation auf etwas Neues einzulassen und z. B. auch mal Waldbaden zu gehen…die Aufgabe muss erledigt werden… es macht mir Angst, Angst zu versagen…..“

Ich gehe in den Dialog mit mir: Was wäre gut daran, nicht zu versagen? Ein Gefühl oder – eher eine Sehnsucht nach Freiheit kommt in mir auf. Wenn ich nicht versage, kann ich frei sein. Kannst du sie spüren diese Sehnsucht nach Freiheit? Ganz tief in meinem Inneren, da ist etwas frei in mir.

Und jetzt noch mal die Frage: wozu ist es gut,  nicht zu versagen? Ich bin ohne Worte. Eine Kommentierung meines Verstandes: Versagt die Stimme, so spricht der Körper.

Es überkommt mich ein intensives Gefühl. Ich stöhne und meine Beine ziehen sich an und schützen meinen Unterkörper.

Wozu möchte ich nicht versagen? Was ist das Gute daran, nicht zu versagen? Ich habe mich unter Kontrolle.

Oh ja, es war mal gut in früheren Zeiten, Kontrolle hat da sicherlich viel geholfen. Aber überleg doch mal, ob du sie heute noch in dieser Form brauchst? Oder ob du dir da vielleicht selbst etwas mehr freien Raum geben darfst…

Wie ist es, wenn du dir vorstellst jetzt in dieser Situation, wo du so im Bett liegst, Waldbaden zu gehen? Einfach in deiner Vorstellung im wunderschönen grünen Wald anzukommen, wo du mit allen Sinnen die Geräusche, das Knistern und Vogelgezwitscher, den Geruch vom feuchten, mit so viel Leben gefüllten Waldboden entdeckst. So viele Kleinstlebewesen, die dort zu Hause sind und ihre Arbeit tun. Zu sehen, wie sich die Lichtstrahlen durch die Blätter der Baumkronen langsam vor arbeiten und sich ein kleiner Lichtstrahl auf moosbedeckten, tief grünlich und luftig schimmernden Untergrund in dieser schier unendlichen Schönheit und Vielfalt von Leben zeigt.

Du wirst auf eine sehr große prächtige Eiche aufmerksam und näherst sich ihr. Ihr Stamm ist so groß, dass er sich nicht mit den Armen umschlingen lässt. Du nimmst die Rinde als äußeren Schutz dieser kraftvollen, energiereichen und vollkommen im Saft stehenden Eiche wahr. Du legst die Stirn an den Stamm und nimmst diese Stille wahr – die Stille einfach zu sein. Nichts weiter zu tun außer hier im Wald an diesem Ort zu stehen und in die Kronen und den Himmel zu blicken und zu beobachten, wie sich die Äste und Blätter mit den anderen im Wind bewegen. Behutsam, fein, ja wie abgesprochen wiegen sich alle gleichsam im Wind. Sie lassen sich treiben. Ganz ohne Widerstand geben Sie sich den äußeren Bedingungen hin.

Sehnsucht kommt auf, auch ganz oben in dieser Höhe – so wie angekommen – zu sein und sich dem, was kommt einfach hin zu geben. Ganz anzunehmen, so wie es ist.“

Bei diesem Waldbad wird mir klar, wie viel wir von der Natur lernen können, wenn wir aufmerksam sind und das vermeintlich Einfache nur wahrnehmen. Und genau das bewirkt schon ganz viel Freiheit. Frei sein von gesellschaftlichen und politischen Verpflichtungen, nur ganz für sich zu spüren. Die Kräfte der Natur zu spüren, auch wenn ich nur in der Vorstellung und in meinem Bett unterwegs bin.

Ich gehe wieder zurück in meinen Wald, zu mir. Ich stehe an der großen Eiche und spüre diese Kraft, die mich ankommen lässt, bei mir ankommen lässt. In meinem Körper ankommen und mich in ihm zu Hause fühlen lässt. Sicher zu fühlen – sicher angekommen zu sein. Ich spüre diese Schönheit der Natur. Es berührt mich tief dieses Zusammenspiel aus Licht – Stille und Sein. Mir laufen Tränen über die Wangen, weil die Natur uns Menschen so unfassbar viel gibt. Ich bin berührt von dieser Fülle dieses Lebens und dankbar zugleich, dass ich das erleben darf.

Stille kehrt ein, verbunden mit tiefer Dankbarkeit für das Leben – so wie es ist.

Dieses imaginäre Waldbad hat mir gut getan und mein Verstand sagt mir: es wird Zeit aufzustehen, meiner Verpflichtung, weiter zu lernen, nach zu gehen. Und auch das gehört dazu zum Leben. Kein Augenblick bleibt ewig, es verändert sich.

Ein bewegtes Leben.

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