Ich möchte das ‘weg’ haben – eine Spürerfahrung
Ich möchte das nicht / ‚weg‘ haben… eine Spürerfahrung
Wer kennt das nicht: Unser Körper zeigt etwas vermeintlich unangenehmes und das erste, wie wir reagieren, ist: Doch nicht jetzt! Das passt mir aber gerade gar nicht! Kann das nicht weggehen? So oder so ähnlich könnte es sich abspielen.
Oftmals sind wir versucht, Körperempfindungen, Symptome, Gefühle etc. augenblicklich wegzudrängen. Unser Verstand bewertet sie blitzschnell als unangenehm, leidvoll oder negativ, gespeist aus vielen Erfahrungen der Vergangenheit. Somit verdrängen wir diese, ignorieren sie oder werfen eine Pille ein, wenn es nicht mehr auszuhalten ist.
Damit verlagern wir das Problem auf einen späteren Zeitpunkt. Wer mal ganz genau für sich schaut wird feststellen: unsere Themen kommen wieder. Wenn wir Glück haben, zeigen sich die Empfindungen gleich oder ähnlich, oftmals werden sie aber im Verlauf der Zeit lauter. Oder sie verändern sich. So wird z. B. aus einer unterdrückten Wut, die vielleicht als Kind nicht gewünscht und auch im erwachsenenalter nicht gesellschaftsfähig ist, später einmal ein Kloß im Hals, eine Unbeweglichkeit bzw. ein Verschieben der Wirbelsäule oder wir verändern uns zu einer Person, die ständig genervt ist und meckert. So können sich nicht geäußerte bzw. unterdrückte Gefühle in Bandscheibenvorfällen, Kopfschmerzen oder Migräne, Tinnitus, Neuralgien oder Fibromyalgien zeigen.
Wie wir mit diesem Wissen heute damit umgehen können, zeigt folgende Erfahrung.
Eine Klientin spricht über Ihre Tochter und ich bemerke, wie sich mein Bauch zusammenzieht und sich ein Druck aufbaut (Prinzip der Resonanz). Ich lade sie ein, in ihren Bauch zu spüren und sie nimmt ein kribbeln wahr, dass sich zunehmend über den ganzen Körper erstreckt. Ihre Hände werden feucht, was sie an ihre Angst vorm Fliegen erinnert. Sie möchte diese Empfindungen am liebsten ‚weg‘ haben. Ihr Kopf unterstützt, in dem er vom spüren abzulenken versucht und an den nachfolgenden Einkauf erinnert, vegane Hackfleichbällchen für Ihren Sohn nicht zu vergessen. Ich lade sie ein, die Gedanken ziehen zu lassen und weiter in ihren Körper zu spüren. Ich erfrage einen guten Platz, da, wo es sich besser anfühlt. Die Füße brennen, sind aber ok. Was ist da noch? Sie sind fest, wie bei einer Statue. Ist das gut? Ja, es ist ok. Ich erfrage, wie es ihrer Nasenspitze geht und es schießt ein ‚gut‘ raus: Was ist gut an ihr? Ich spüre nichts. Wunderbar!
Sie berichtet, dass sie die Dinge eher weghaben möchte und ich lade sie ein, sie einatmend da sein zu lassen.
Während der weiteren Behandlung zeigt sich im Brustbereich ein Kloß, den sie als unangenehm bezeichnet. Sie umschreibt ihn mit braun, der wie ein gekneteter Teig mit Falten aussieht und nicht gleich geformt ist. Interessant ist, dass je länger sie ihre Aufmerksamkeit darauf richtet, er sich umso mehr verändert: er wird leichter, heller, bis hin zu flauschig.
Jetzt hat sie eine neue Erfahrung machen können und erlebt dabei, auch mit unangenehmen Sensationen da zu sein und diese sogar zu beobachten.
Am Ende der Sitzung ist meine Klientin entspannt, wendet allerdings noch ein, dass sie dass doch ‚aber‘ im Alltag nicht machen würde. Vielleicht ist das so, dennoch hat ihr Körper diese Erfahrung gemacht und wird sich daran erinnern.
Aus meiner Sicht ist es enorm wichtig, hinzuschauen, auf das, was unser Körper uns an Symptomen, Körperempfindungen etc. zeigt. Auch wenn uns der Verstand über Jahre etwas anderes lehrt, er möchte uns doch nur vor vermeintlich Unangenehmem bewahren. Wenn wir hinschauen & spüren, die Körperempfindungen wahrnehmen und Gefühle ‚durchlaufen‘ lassen, diese annehmen & loslassen, dann können wir transformieren und integrieren. Es ist so wichtig für unsere Entfaltung, die Dinge nicht wegzudrücken, sondern soweit wie möglich damit da zu sein.
Wenn dir der Inhalt beim Lesen dieses Blogs innerlich schon ‚zu viel‘ wird oder du schon Erfahrungen mit heftig aufkommenden Gefühlen hast, die dir schnell ‚zu viel‘ werden, dann empfehle ich dir, professionelle Hilfe zu holen und dich ein Stück deines Weges begleiten zu lassen. Manchmal werden tiefere, auch traumatische Themen (vgl. Traumaarbeit) berührt, die gut geschützt und begleitet fachliche Unterstützung benötigen.
Mit achtsamen Grüßen
Marion Welz
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Oh ja, ich möchte es weghaben.
Das ist noch immer ganz unbewusst einer meiner Lieblingsgedanken.
Ich denke ihn seit Jahrzehnten und der Wunsch war Befehlt. Es war „weg“ und mein Fokus woanders.
Doch dieser Mechanismus funktioniert nicht mehr so. Muss er auch nicht. Doch ich bestimme den Zeitpunkt, wann sich etwas zeigen darf, noch sehr gern selber 😉
Heute wollte das Wegmachen und Ignorieren nicht so klappen.
Ich hatte einen wundervollen Morgen – um 4 Uhr gabs nur bei lautem Vogelkonzert einen Morgenkaffee auf dem ansonsten herrlich stillen Balkon. Besser geht kaum für mich.
Auf dem Rad – unterwegs zum Tegeler See bemerkte ich die schöne frische Luft, ich sauste begeistert mit Tempo meinen Weg entlang. Ich habe einen Anteil in mir – der liebt dieses Tempo. Der ist voll in seiner Lebensfreude, jauchzt vor Begeisterung und Unbeschwertheit vor sich hin, freut sich auf den Sonnenaufgang auf dem See und ist glücklich auf dem Fahrrad strampeln zu können.
Doch so allmählich kam Stress in mir auf. Ab und zu streifte mich ein Ast, den ich nicht gesehen hatte, im Gesicht. Es war nur ein kleiner Schreck und sowas passiert mir sehr oft, doch beim dritten kleinen Schreck änderte sich allmählich etwas.
Kein Auto weit und breit, herrlich leer auf den Straßen, die Menschen schliefen noch, da möchte ich aufkommende seltsame Gefühle nicht haben.
Nach 50 min wusste ich mal wieder, warum ich so selten auf ungewohnten Wegen Fahrrad fahre. Ich nahm Anstrengung wahr – nicht körperlich. Auch jetzt beim Schreiben habe ich einen dicken Kloß im Hals. Ich nahm Stress wahr und ich bemerkte Tränen, die nie geweint wurden und die ein bisschen anklopften.
Ich verzichte mal auf Erklärungen und medizinische Details. Ich weiß ja eigentlich, dass es dafür einen Grund gibt. Doch dieses eigentlich sagt viel. Ich will nicht mal den Grund, selbst den will ich am liebsten weghaben. Und dass ich nach so kurzer schöner Strecke erschöpft sein soll, kann ich irgendwie auch nicht annehmen.
Doch der Grund geht nicht weg. Und ich habe bemerkt, ich wäre bereit gewesen, meine Paddeltour in den Sonnenaufgang aufzugeben für Tränen, die nie laufen durften. Ich hätte mir Zeit genommen. Ich habe vor gut 30 Jahren meine Unbeschwertheit beim Fahrradfahren und ja, einen Teil meiner Sicherheit auf dem Rad verloren. Ich könnte es einfach stehen lassen, mein Fahrrad. Habe ich ein paar Jahre sogar gemacht. Doch ich liebe es zu sehr.
Ja, das macht mich traurig. Doch allein wollen die Tränen nicht so einfach laufen. Wenn wie heute früh mein Mann dabei ist, erst recht nicht. Hm!
Ja, ich möchte hinschauen. Ich möchte nicht mehr alles wegdrücken. Doch ich möchte es so gern auch allein lösen können, nicht immer professionelle Hilfe aufsuchen müssen.
Gefühle durchlaufen lassen können, in dem Moment, in dem sie da sind, würde ich gern. Nicht wieder alles einpacken und zwei Wochen später in einer Sitzung anschauen. Das ist ja auch ein Verlagern auf einen späteren Zeitpunkt. Und ja, beim nächsten Sausen auf dem Fahrrad auf unbekannteren Wegen kommt das Gefühl wieder.
Nach Radtouren, die objektiv gesehen, nicht schöner hätten sein können – bin ich … hm, ja was? Geplättet, erledigt, erschöpft, traurig und frustriert. Und naja, wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich auch noch allein damit.
Unangenehme Mischung. Für den Moment versuche ich mal, alles einzupacken und geh mich mal ablenken.
Annette
Liebe Annette,
danke für deine authentische Beschreibung dessen, was und wie du es erlebst. Ich kann sehr mitschwingen, denn ich kenne auch diese Zustände in einem anderen Kontext. Und ja, noch kannst du nicht allein damit da sein und doch nehme ich einen Richtungswechsel wahr. Ärger und Frust auch als Ausdruck für Veränderung.
Sich nicht trauen sich mitzuteilen und dass der Person, die dich am besten kennt neben dir selbst. Ja, Ehrliches Mitteilen ist manchmal echt schwer und gleichzeitig kommt, wenn wir unseren ganzen Mut zusammennehmen, am Ende oft eine Transformation zustande – so zumindest meine Erfahrung.
Ich wünsche dir die Kraft und den Mut mit allem so da zu sein, wie es ist. Und dass du dich allein fühlst ist deinem Bindungstrauma geschuldet: Du weißt gar nicht wie es ist, wenn jemand da ist und von daher projizieren wir die Vergangenheit auf alle möglichen gegenwärtigen Momente. Das ist nicht schlimm und das hat auch nichts mit ‚zu blöd‘ zu tun, es darf mehr und mehr in unser Bewusstsein kommen. Ein Weg… für den ich dir alles Gute und das Öffnen für deine Wegbegleitung wünsche.
Von Herzen
Marion
PS: und Verlangsamung hilft uns, bewusster hinschauen zu können….