Ich möchte das ‘weg’ haben – eine Spürerfahrung

Blog - Ich möchte das nicht - Praxis körperorientierte Craniosacral-Therapie, Traumatherapie, Psychotherapie & Coachings - Marion Welz - Heilpraktikerin Berlin

Ich möchte das nicht / ‚weg‘ haben… eine Spürerfahrung

Wer kennt das nicht: Unser Körper zeigt etwas vermeintlich unangenehmes und das erste, wie wir reagieren, ist: Doch nicht jetzt! Das passt mir aber gerade gar nicht! Kann das nicht weggehen? So oder so ähnlich könnte es sich abspielen.

Oftmals sind wir versucht, Körperempfindungen, Symptome, Gefühle etc. augenblicklich wegzudrängen. Unser Verstand bewertet sie blitzschnell als unangenehm, leidvoll oder negativ, gespeist aus vielen Erfahrungen der Vergangenheit. Somit verdrängen wir diese, ignorieren sie oder werfen eine Pille ein, wenn es nicht mehr auszuhalten ist.

Damit verlagern wir das Problem auf einen späteren Zeitpunkt. Wer mal ganz genau für sich schaut wird feststellen: unsere Themen kommen wieder. Wenn wir Glück haben, zeigen sich die Empfindungen gleich oder ähnlich, oftmals werden sie aber im Verlauf der Zeit lauter. Oder sie verändern sich. So wird z. B. aus einer unterdrückten Wut, die vielleicht als Kind nicht gewünscht und auch im erwachsenenalter nicht gesellschaftsfähig ist, später einmal ein Kloß im Hals, eine Unbeweglichkeit bzw. ein Verschieben der Wirbelsäule oder wir verändern uns zu einer Person, die ständig genervt ist und meckert. So können sich nicht geäußerte bzw. unterdrückte Gefühle in Bandscheibenvorfällen, Kopfschmerzen oder Migräne, Tinnitus, Neuralgien oder Fibromyalgien zeigen.

Wie wir mit diesem Wissen heute damit umgehen können, zeigt folgende Erfahrung.

Eine Klientin spricht über Ihre Tochter und ich bemerke, wie sich mein Bauch zusammenzieht und sich ein Druck aufbaut (Prinzip der Resonanz). Ich lade sie ein, in ihren Bauch zu spüren und sie nimmt ein kribbeln wahr, dass sich zunehmend über den ganzen Körper erstreckt. Ihre Hände werden feucht, was sie an ihre Angst vorm Fliegen erinnert. Sie möchte diese Empfindungen am liebsten ‚weg‘ haben. Ihr Kopf unterstützt, in dem er vom spüren abzulenken versucht und an den nachfolgenden Einkauf erinnert, vegane Hackfleichbällchen für Ihren Sohn nicht zu vergessen. Ich lade sie ein, die Gedanken ziehen zu lassen und weiter in ihren Körper zu spüren. Ich erfrage einen guten Platz, da, wo es sich besser anfühlt. Die Füße brennen, sind aber ok. Was ist da noch? Sie sind fest, wie bei einer Statue. Ist das gut? Ja, es ist ok. Ich erfrage, wie es ihrer Nasenspitze geht und es schießt ein ‚gut‘ raus: Was ist gut an ihr? Ich spüre nichts. Wunderbar!

Sie berichtet, dass sie die Dinge eher weghaben möchte und ich lade sie ein, sie einatmend da sein zu lassen.

Während der weiteren Behandlung zeigt sich im Brustbereich ein Kloß, den sie als unangenehm bezeichnet. Sie umschreibt ihn mit braun, der wie ein gekneteter Teig mit Falten aussieht und nicht gleich geformt ist. Interessant ist, dass je länger sie ihre Aufmerksamkeit darauf richtet, er sich umso mehr verändert: er wird leichter, heller, bis hin zu flauschig.

Jetzt hat sie eine neue Erfahrung machen können und erlebt dabei, auch mit unangenehmen Sensationen da zu sein und diese sogar zu beobachten.

Am Ende der Sitzung ist meine Klientin entspannt, wendet allerdings noch ein, dass sie dass doch ‚aber‘ im Alltag nicht machen würde. Vielleicht ist das so, dennoch hat ihr Körper diese Erfahrung gemacht und wird sich daran erinnern.

Aus meiner Sicht ist es enorm wichtig, hinzuschauen, auf das, was unser Körper uns an Symptomen, Körperempfindungen etc. zeigt. Auch wenn uns der Verstand über Jahre etwas anderes lehrt, er möchte uns doch nur vor vermeintlich Unangenehmem bewahren. Wenn wir hinschauen & spüren, die Körperempfindungen wahrnehmen und Gefühle ‚durchlaufen‘ lassen, diese annehmen & loslassen, dann können wir transformieren und integrieren. Es ist so wichtig für unsere Entfaltung, die Dinge nicht wegzudrücken, sondern soweit wie möglich damit da zu sein.

Wenn dir der Inhalt beim Lesen dieses Blogs innerlich schon ‚zu viel‘ wird oder du schon Erfahrungen mit heftig aufkommenden Gefühlen hast, die dir schnell ‚zu viel‘ werden, dann empfehle ich dir, professionelle Hilfe zu holen und dich ein Stück deines Weges begleiten zu lassen. Manchmal werden tiefere, auch traumatische Themen (vgl. Traumaarbeit) berührt, die gut geschützt und begleitet fachliche Unterstützung benötigen.

Mit achtsamen Grüßen

Marion Welz

1 Kommentar

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  1. […] Ich finde diesen Beitrag von Dami Charf so treffend und passend zu meinen aktuellen Erfahrungen. Viele KlientInnen äußern derzeit, dass sie vermeintlich Unangenehmes wie z. B. Gefühle, Körperempfindungen ‚weg haben wollen‘. Das Thema hat mich auch vor ein paar Tagen veranlasst, einen Blogartikel zu schreiben mit folgendem Titel ‚Ich möchte das weghaben – eine Spürerfahrung‚. […]

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