Angst in den Körper zu gehen

Blog - Angst in den Körper zu gehen - Praxis körperorientierte Cranio-Sacral-, Trauma-, Psychotherapien & Coachings - Marion Welz - Heilpraktikerin Berlin

Die Angst in den Körper zu gehen

Irgendwann kommt diese Angst. Meine Angst – mich zu spüren. Die Angst, des Unbekannten in meinem Körper. Die Angst vor Überwältigung. Mir stockt der Atem. Ich fange an, ganz flach zu atmen. Ich zieh mich zusammen. Bin in Embryonalstellung. Ich brauche Schutz. Ich brauche viel Schutz. Ich brauche viel Schutz, mich darauf einzulassen, in meinen Körper zu gehen. Hierzu habe ich mit Unterstützung eine Strategie entwickelt:

Zunächst habe ich einen Schutzraum um mich herum aufgebaut. Diesen bin ich mit meiner Handfläche abgegangen. In diesem Schutzraum befinde ich mich bzw. mein Körper. Die Grenzen meines Schutzraumes gehen über meinen Körpergrenzen hinaus. So wie früher einmal, als das Ereignis zu stark und zu schnell für mich war und ich meinen Körper verlassen habe. Ich in die Weite und Stille gegangen bin, wo mich niemand mehr erreichen konnte. Hieran erinnere ich mich wieder. Man nennt das Dissoziation – aus dem eigenen Körper heraus zu treten.

In diesem neu geschaffenen Schutzraum fühle ich mich sicher. Die Begrenzung nach Aussen ist klar, meine Körpergrenzen kann ich aktuell nicht spüren. Es ist dunkel in meinem Schutzraum, aber sicher. Ich fange an, etwas zu entspannen. Wenn ich in diesem Schutzraum an meinen Körper denke, kommt sofort die Angst wieder hoch. Etwas überwältigendes könnte mich ‚überrollen’ – so wie schon einmal in meinem Leben. Der Körper schützt uns davor, in dem er dissoziiert, praktisch aus sich heraus tritt. Diese überlebenswichtige Strategie zeigt sich heute als Erwachsene immer noch. Die Gefahr war einmal real, heute allerdings dürfen wir neue Wege damit finden, wenn wir im Aussen, häufig in Beziehungen, in unseren Themen getriggert werden.

Ich versuche, den Zugang über mein Herz zu finden. Am Rande des Schutzraums stelle ich mir mein Herz vor als Eingang bzw. Kanal in meinem Körper. Rote Farbe verströmt sich in meinem ganzen Körper und ich fühle mich sicher und zu Hause. Es steigt eine Energie aus dem Wurzelchakra in mir auf und breitet sich über alle weiteren Chakren nach oben hin aus. Jetzt kann ich die Grenzen – meine Körpergrenzen langsam wahrnehmen. Jetzt bin ich in meinem Körper angekommen – ohne Angst und es fühlt sich so an, als ob die Sonne scheint. Ich spüre mein inneres in den Körpergrenzen, fühle mich sicher und kann ihn gesamthaft wahrnehmen oder auch einzelne Segmente. Wenn ich in mein Herz spüre, nehme ich Liebe und Mitgefühl wahr. Liebe für mich und Mitgefühl für vergangene Zeiten. Aber auch für die heutige Angst.

Ich bin freudig und glücklich und spüre gleichzeitig, dass mein Herz schmerzt. Ein sehr alter und tiefer, lang festgehaltener Schmerz. Um nicht diesem überwältigenden Gefühl zu verfallen, nehme ich die Empfindungen in meinem Körper als ‚sowohl… als auch…‘ wahr: mein Herz schmerzt und gleichzeitig erlebe ich Freude und Glück, Liebe und Mitgefühl. Wenn beides da ist, da sein kann und da sein darf, spüre ich eine Erleichterung in mir. Ich kann entspannen und loslassen. Einfach damit sein. Es kommt der Satz: Von der weiten Stille und dem Friedvollen aus den Herzschmerz umhüllen und in die Weite mitnehmen lassen…

Diese Phasen habe ich mehrmals geübt, um nicht wieder in die Ohnmacht und Hilflosigkeit zu gelangen. Ich habe mir genau die ‚Grenzübergänge‘ angeschaut, also vom energetischen Schutzraum zu den physischen Körpergrenzen – sehr achtsam und aus der Entschleunigung heraus. Denn Schnelligkeit lässt uns diese wichtigen Zwischenräume nicht spüren. Keine Zeit führt zum übergehen wesentlicher Momente und heutzutage habe ich Zeit, nehme ich mir die Zeit. Früher einmal war das vielleicht nicht möglich, heute entscheide ich aus der Erwachsenen heraus.

Durch diese wiedererlangte Handlungsfähigkeit – die gemachte Erfahrung, dass ich heute und im Hier & Jetzt entscheiden kann, fühle ich mich nicht mehr im Kind, Ich werde wieder zur Schöpferin meines Lebens.

In diesem Zusammenhang kommt mir auch immer wieder der Satz: atme das Leben. Da kommt wohl auch die Bezeichnung aus der Cranio-Sacralen-Therapie her: Der Atem des Lebens. Wenn wir nicht atmen, stecken wir fest. Wir stecken in alten Energien fest und die Gefahr, dass wir die Schleifen der Ereignisse erneut durchlaufen, ist sehr hoch. Wenn ich atme, und zwar bewusst, kann ich die Handlungsfähigkeit, meine Handlungsfähigkeit wieder erlangen. Wenn der Atem stockt, flach ist oder gar komplett angehalten wird, komme ich schnell in Beziehung alter Erlebnisse. Dies ist nicht notwendig und auch nicht zielführend. Es ist viel sanfter, präsent in unserem Körper zu bleiben und damit noch festgehaltenes wieder frei werden zu lassen – zu entlassen. Sanft aber kraftvoll ist hier der Weg zu unserem Selbst. Es muss nicht aus der Katharsis oder einer hohen Anspannung oder Sympathikusaktivierung heraus sein. Das ist sogar schädlich bzw. kann schädlich sein. Viel mehr aus der Kraft des Vagus-Nervs heraus (nach Stanley Rosenberg  auch Selbst-Heilungs-Nerv), aus der Entspannung heraus bei gleichzeitiger Präsenz.

Mit sanften Grüßen

Marion Welz
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