Glaubenssätze wandeln – Ich darf Fehler machen

Glaubenssätze im Wandel - Praxis körperorientierte Cranio-Sacral-, Trauma-, Psychotherapien & Coachings - Marion Welz - Heilpraktikerin Berlin

Vom Glaubenssatz zum eigenen Weg

Glaubenssätze sind stark verinnerlichte Annahmen über sich selbst, über andere oder über die Welt, die uns vermeintlich Sicherheit bringen. Oft sind sie bereits in der Kindheit entstanden – durch unser Elternhaus oder die Schule. Eltern möchten das Beste für ihre Kinder, dennoch sind ihre Vorgaben, Normen & Werte nicht die eigenen.

Du hast deine Glaubenssätze entweder von Dritten übernommen (z. B. Eltern, Großeltern: Wir waren arm, arbeite du nur fleißig, damit es dir einmal besser geht) oder du hast sie selbst konstruiert. So bist du als Kind vielleicht über das Maß hinaus kritisiert worden und hast erlebt und geschlussfolgert, dass es besser ist, keine Fehler mehr zu machen. Oder du konntest dich als Kind nicht frei entfalten, weil DU nicht gesehen wurdest. Deine Eltern interessierten sich gefühlt nicht für dich und du hast verinnerlicht, dass du erst Leistung erbringen musst, um wahrgenommen zu werden. Hieraus kann sich die feste Überzeugung entwickeln: Ich glaube, dass wenn ich alles richtig mache, in vollem Maße geliebt werde. Als Kind sind wir von der Liebe & Zuneigung unserer Eltern bzw. Bezugspersonen abhängig, somit werden die Glaubenssätze lebenswichtig, sogar über-lebens-wichtig. Sie werden für uns wahr und mit der Zeit zur Realität; wir passen uns an, handeln nach ihnen und überprüfen sie fortan zumeist nicht mehr.

Damit wir im ‚Außen‘ nicht weniger Zuneigung oder gar keine Liebe mehr erhalten, haben wir z. B. den Glaubenssatz ‚ich darf keine Fehler machen’ so fest in uns verankert, dass wir einen großen Teil unseres Lebens darauf ausrichten, alles richtig zu machen. Es war eine erste gemachte Erfahrung, die sich in unserem Leben fortsetzen wird. Wir strengen uns jederzeit an, denken voraus, planen und setzten alles daran, keine Fehler mehr zu machen. Wir arbeiten ständig daraufhin, perfekt zu sein und bemerken gar nicht, wie starr wir dabei innerlich werden.

Wir suchen all unsere Anerkennung im Außen, in dem wir ‚funktionieren‘ und in dem wir keine Fehler machen. Und wenn nur der Hauch einer Kritik an uns bzw. an unserer Arbeit anklingt oder sich nur unser eigener Kritiker meldet, fühlen wir uns sofort angetriggert und erleben dieses Gefühl der damaligen Zeit, als Kind etwas nicht richtig gemacht zu haben, genau nach. Wir fangen an, uns mit Händen und Füßen dagegen zu wehren und die Geschichte unseres Lebens schreibt sich fort: wir fühlen uns ungerecht behandelt, (erneut) als ‚Opfer‘ und fangen an zu jammern und uns darüber bei Dritten zu beschweren. Wir hoffen auf Anerkennung und Unterstützung im Außen und wünschen uns nichts sehnlicher als verstanden zu werden.

Wie gehen wir jetzt mit den gemachten Erfahrungen – unseren alten Glaubenssätzen um?

Jeder Anteil, der uns im Außen begegnet und in uns innerlich alte Gefühle wach ruft, dagegen sollten wir nicht kämpfen, sondern diesen als Chance betrachten und dankbar hinschauen. Wozu war es gut, dass so überzeugt zu glauben? Wobei hat mich genau dieser Glaubenssatz in meinem Leben unterstützt oder auch – wovor beschützt? Das ist sicher nicht immer leicht, aber diese verinnerlichten Annahmen zeigen uns genau die Stellen in uns, die wir für uns noch nicht genauer betrachtet und angenommen haben, die wir noch lieben und die in uns noch heilen dürfen. Denn es gilt nicht nur die guten Seiten in uns zu umarmen, sondern auch die Schatten und nicht im Widerstand mit ihnen zu sein, sondern alles in uns freundlich zu begrüßen und anzunehmen, um sie dann loszulassen.

Wenn wir z. B. die Erfahrung machen, dass eine Entscheidung, die wir getroffen haben, sich später möglicherweise als nicht die richtige oder optimale Lösung herausstellt (wir haben einen Fehler gemacht), so haben wir doch zumeist Erfahrungen gewonnen, die ohne, dass wir diesen Weg gegangen wären, hätten gar nicht machen können. Ich möchte dies gerne am Glaubenssatz ‚ich darf keine Fehler machen‘ verdeutlichen, der sich insbesondere bei der Entscheidungsfindung immer wieder offenbart.

Wenn wir eine wichtige Entscheidung zu treffen haben, wägen wir ab. Wir recherchieren, machen pro- und contra-Listen, stellen Vor- und Nachteile gegenüber, obwohl unser Bauchgefühl die Antwort bereits kennt. Es wird immer kniffliger, je tiefer wir in die Thematik eintauchen. Je mehr unser Verstand im Denken ist, umso weniger haben wir das Gefühl, eine Entscheidung treffen zu können. Am Ende treffen wir endlich eine Entscheidung und gehen diesen Weg. Nach einer Weile schaltet sich der Verstand ein: Zweifelt. Habe ich wirklich das Richtige getan? Im Laufe unseres Weges hagelt es von anderen Seiten vielleicht sogar Kritik: „Es ist nicht Zielführend, was du da machst.“ „Das ist vielleicht nicht der richtige Ort oder die richtige Institution, sich dem Ziel zu nähern.“ Wir dürfen uns auseinandersetzen mit dem eigenen Kritiker und mit möglichen Kritikern von außen. Wir haben uns entschieden und das altbekannte Gefühl kommt wieder hoch und macht sich richtig breit in uns: ’nicht genug zu sein‘, ‚kritisiert zu werden‘, weil wir es nach Ansicht anderer oder uns selbst nicht richtig machen. Diese Gefühle gehen womöglich auch noch mit einer Schuld ein her. Plötzlich fühle ich mich schuldig, weil ich nicht alles richtig gemacht habe, weil ich nicht alles vorausschauend geplant habe bzw. planen konnte, weil Unvorhergesehenes dazwischen kam.

Drei Monate später passiert ähnliches. Es steht wieder eine Entscheidung bevor – das Kopfkarussell fängt an zu kreisen, erinnert sich an alte Momente und gelebte Erfahrungen. Wir möchten auch diesmal möglichst alles richtig machen und versuchen noch akribischer (und verbissener?) an die Sache ranzugehen und die richtige Lösung / Entscheidung zu finden. Möglicherweise ist es auch hier so, dass es nicht den optimalen Weg gegeben hat und damit einhergehend kommen alte Schuldgefühle wieder hoch. Wir schreiben also die selbst gemachten Erfahrungen im Kindheitsalter fort mit jeder Entscheidung, die vielleicht nicht ganz optimal gewesen war. Es ensteht aus einer ersten Erfahrung mit der Zeit eine Story und die Geschichte, die sich fortschreibt wird zum fest eingeprägten Glaubenssatz: ich darf keine Fehler machen, sonst bin ich nicht genug, sonst habe ich schuld. Wir fühlen uns als Opfer unserer eigenen Handlung, wir machen uns selbst klein und scheuen Entscheidungen immer mehr.

Wenn wir jetzt anfangen uns bewusst zu machen, unseren inneren Antreibern nicht mehr blind zu folgen und uns bewusst sind, dass es vielleicht gar keinen optimalen Weg gibt, dass alles nur eine Erfahrung auf dem Weg zu unserem Ziel ist, dann dürfen wir vielleicht zukünftig weniger streng mit uns sein.

Mir hat mal jemand gesagt: es gibt kein richtig oder falsch. Mache dich einfach auf den Weg und schaue und sei offen für das, was es dir bringt. Wenn du dich nicht entscheidest, kannst du diese Erfahrung nicht machen und wenn du dich entscheidest, dann kommst du erst mal ins ‚laufen‘. Mit diesem ‚laufen‘ machst du eine neue Erfahrung und darfst auch neu entscheiden. Du hast die Wahl, bist frei in deiner Handlungsfähigkeit, auch wenn du es für dich früher anders erlebt hast. Du darfst auch (d)eine getroffene Entscheidung revidieren, wenn es sich nicht mehr richtig anfühlt für dich. Gehe los und mache deine Erfahrungen, denn damit überschreibst du alt manifestierte Glaubenssätze und gewinnst neue, positive  Erfahrungen. Erlebe es für dich, dass du dich immer wieder neu entscheiden darfst – es ist ja nie eine Entscheidung fürs Leben, auch wenn es sich in manchem Augenblick so anfühlen mag. Du darfst jederzeit deine Entscheidung revidieren, eine andere Wahl treffen – einen anderen Weg einschlagen.

Das Sprichwort: der Weg ist das Ziel ist dabei sehr hilfreich. Ich habe jederzeit volle Handlungsfähigkeit, wenn mir etwas auf diesem Weg nicht gefällt. Ich darf mich neu entscheiden an jeder Wegesgabelung, die kommt. Von daher kann am Anfang eine Entscheidung auch nie ganz richtig oder falsch sein. Trau dich einfach immer wieder neu zu schauen und abzuwägen und erlaube dir mit der Zeit ganz deinen Weg zu gehen.

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Mach dir deine Glaubenssätze bewusst – eine kleine Übung

Überlege, welche Anteile in dir, die dir immer wieder im Außen begegnen und dich triggern oder blockieren, du dir bewusst anschauen möchtest und schreibe sie auf.

Beantworte folgende Fragen:

  • Worin lag seinerzeit der Vorteil, dass ich so überzeugt daran geglaubt habe?
  • Wobei hat mich genau dieser Glaubenssatz in meinem Leben unterstützt oder auch – wovor hat er mich beschützt?
  • Was hat mir mein Glaubenssatz auch in meinem Leben genommen?

Wenn dir diese Fragen beim lesen schon sehr nahe gehen oder starke Angstgefühle etc. in dir hoch kommen, dann empfehle ich dir, diese Übung nicht allein durchzuführen, sondern dich professionell begleiten zu lassen. Manchmal werden tiefere, auch traumatische Themen (vgl. Traumaarbeit) berührt, die gut geschützt und begleitet fachliche Unterstützung benötigen.

Wenn du bereit bist, dich gut spüren kannst und dich sicher dabei fühlst (also, wenn du z. B. folgende Fragen mit JA beantworten kannst: Bist du zeitlich und örtlich orientiert? Hörst du die Geräusche im Außen? Spürst du deine Füße fest und sicher auf dem Boden?), dann gehe in deinen Körper und spüre, wie sich die o.g. Fragen anfühlen:

  • kommen da Gefühle wie Abwehr, Traurigkeit oder Wut hoch?
  • wo kannst du diese spüren – im Kopf, Herz oder Bauchbereich?
  • geht die Empfindung mit einer Farbe, Temperatur, Geruch, Form oder einem Bild oder bestimmten Aussehen einher?
  • wie alt bist du da gerade etwa?

Spüre immer wieder rein und schaue auch, ob diese Glaubenssätze auch heute noch aktuell für dich sind und wie du mit dir und deinem Umfeld umgehst. Hierbei können dir die 4 Fragen von Byron Katie (vgl. Arbeitsblatt) weiterhelfen.

1. Ist das wahr?
2. Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
3. Was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?
4. Wer wärst du ohne den Gedanken?

Kehre den Gedanken um.

Diese Fragen und die Umkehrung unterstützen deinen Prozess der Selbsterkenntnis und können jederzeit einfach angewendet werden. Probier es aus und komm dir gleich ein Stückchen näher!

Viel Spaß bei der Übung und mit forschenden Grüßen

Marion Welz

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