Mehr im Sein als im Tun sein

Weniger Tun als Sein - Beitrag von Marion Welz

Weniger Tun als Sein – Es ist sehr mühsam als hochsensible Person (HSP) ständig vorauszuschauen, um den anderen nicht zu verletzten und in seinem Selbst zu respektieren.

Ich möchte einfach nur Sein ohne auf alles Mögliche Rücksicht zu nehmen – geht mir so durch den Kopf. Ich merke, dass es sehr anstrengend ist mit der Zeit und ich diese Kraft nicht mehr aufbringen möchte. Mir ist deutlich geworden, dass ich oftmals die ‚Löcher‘ der Anderen sehe und fülle, damit es Ihnen besser geht und meine Bedürfnisse damit in den Hintergrund treten. Mit ‚Löchern‘ meine ich Wunden aus vergangenen Zeiten, die mit Schmerz, Verletzung, Leid etc. einhergehen. So möchte ich z. B. nicht mehr das Loch einer Freundin füllen, die sich bei mir immer dann meldet, wenn sie Sorgen hat und aufmunternde Worte benötigt. Oder wenn jemand Aufmerksamkeit einfordert, weil er diese vielleicht in der Kindheit zu wenig erhalten hat und mich ‚nutzt‘ (natürlich nicht bewusst oder böswillig), diese Wunde oder dieses entstandene Loch mit meiner Aufmerksamkeit zu füllen.

Ich möchte meine ‚Löcher‘ beleuchten und schauen, was ich brauche, damit es mir gut geht. Damit auch ich nicht mehr ständig im Außen bin, um meine Löcher füllen zu lassen. NEIN, ich möchte in mein Inneres kommen! Mich kennen lernen, mich lieben und wertschätzen lernen. So auch mein Leben und mein Sein. Dies für mich ausgesprochen und geschrieben zu haben, hat etwas unendlich befreiendes. Aber auch etwas sehr intimes, verletzliches – und gleichzeitig auch etwas sehr sehr besonderes.

Das Besondere in mir?

Jetzt, wo ich bereit bin, kann ich es erforschen. Ich freue mich, diesen Weg an diesem Morgen begonnen zu haben. Und dieser Weg ist daraus entsprungen, in dem ich ganz bei mir und ganz mit mir und der Welt verbunden sein konnte.

In dem Zusammenhang frage ich mich, was Erleuchtung ist. Ist es die Fähigkeit, ganz bewusst und in seinem Selbst zu sein, jeden Augenblick im Hier & Jetzt zu sein und – damit verbunden sich nicht mehr mit dem was an Geschichten und Triggern im Außen ist zu identifizieren – oder auch im Innen durch z. B. festgesetzte Glaubenssätze und Storys? Bedeutet es 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr mit sich selbst, in seinem Selbst verbunden zu sein? Es fühlt sich gerade gut an: frei und leicht und… schön. Schön, nicht im Sinne von Aussehen, sondern schön im Sinne von rein und vollkommen. Reine Vollkommenheit.

Mir kommt gerade der Gedanke: Wenn wir Träume nicht träumen, Lieben wir auch nicht. Traurigkeit kommt auf, vielleicht deshalb, weil ich nie Träume geträumt habe – auch als Kind nicht. Ich kann mich zumindest nicht erinnern. Vielleicht, weil ich es mir ‚abtrainiert‘ habe an irgendetwas schönes zu glauben? Weil ich immer auf dem Boden der Tatsachen geblieben bin, weil das die einzige Realität für mich war? Ich früh erkannt habe, dass es nichts zu träumen gibt? Weil ich einerseits sehr emotional und gleichzeitig eine ausgeprägte Realistin bin? Wie passt das zusammen? Weil ich meine Emotionalität weggedrückt habe, um realistisch in dieser Welt zu stehen, weil ich vielleicht früh Erfahrungen gemacht habe? Der realistische Blick der einzige, klare und wirkliche Weg für mich war? Realität* die kein rechts und kein links zu lässt. Realität, die etwas ‚hartes‘ in sich trägt, in mir trägt. Und das, wo mein Wesen so empfindsam und empfindlich ist. Tränen zeigen sich.

Mein inneres Kind zeigt sich: Das Leben fühlt sich oft so ‚hart‘ an. Darauf folgt ein Unverständnis, was ich im Außen wahrnehme. Ich selbst konnte diese Empfindung noch gar nicht verstehen und es war niemand da, der es mir hätte erklären können.. Ich fühlte mich so alleine und ich war noch zu klein, um es selber ausdrücken zu können. Ich fing an, mich nicht ‚richtig‘ zu fühlen und schaute, was mein Umfeld brauchen könnte, damit es ihm besser ging – und – dann auch mir besser gehen kann? Ich habe früh gelernt, dass ich mit dem beobachten anderer Menschen in meinem Umfeld und dem Tun (also ‚Löcher‘ der Anderen im Außen füllen) auch selbst gesehen werde. Denn sonst wäre ich nicht in Erscheinung getreten, gäbe es nicht die Aufmerksamkeit für mich, so wie ich sie mir vielleicht gewünscht hätte. Ich war gar nicht da. Es gab keine Daseinsberechtigung für mich.

Und heute bin ich erwachsen, 52 Jahre alt und darf lernen, mir diese Aufmerksamkeit selbst zu schenken und meine ‚Löcher‘ selbst zu füllen. Mein Inneres Kind an die Hand zu nehmen und mir selbst eine gute Mutter (z. B. in Form von Mitgefühl und Geborgenheit) oder auch ein guter Vater zu sein (z. B. in Form von Sicherheit und Schutz). Auch darf ich lernen, weniger streng mit mir zu sein und mich selbst – als Marion mit Allem positiven wie auch meinen Schatten zu sehen und anzuerkennen. Denn wenn ich mich selbst sehe und wahrnehme mit dem, was ist, brauche ich die Aufmerksamkeit von außen nicht mehr (z. B. über mein sehr altes Muster ‚Gutes tun, um ein guter Mensch zu sein‘). Und so kann auch ich sichtbarer werden in dieser Welt. So wie ein Rohdiamant der geschliffen wird und irgendwann in seinem vollen Glanz erscheinen darf.

Zuerst darf ich mich finden. Ich darf mich sehen. Ich darf mich zeigen, auch wenn ich mich dabei verletzlich mache. Und dann…

Träume deine Träume – jetzt…

… damit du nicht auf dem Boden der Tatsachen, der Realität verhaftet bleibst – denn das ist nur eine Sicht der Dinge! Träume deine Träume und lebe deine Bilder und Phantasien, um nicht zu sehr in dieser realen Welt, sondern um mit dieser Welt verbunden zu sein. Träume deine Träume und hebe ab in andere Sphären – denn es gibt vielleicht noch soviel mehr als nur die Raum-Zeit-Dimension. Träume deine Träume und erforsche deine Welt selbst!

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*Realität lässt keine Illusion zu und ist unabhängig von den Wünschen oder Überzeugungen einzelner Personen (Wikipedia).

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