Transformation liegt in der Luft – eine Erfahrung

Transformation liegt in der Luft - eine Erfahrung - Beitrag von Marion Welz Berlin

Ich habe schon die ganze Woche immer mal wieder ein flaues Gefühl im Bauch – ein Unwohlsein und ein wenig wie Übelkeit, aber nicht so ausgeprägt. So, als ob etwas in der Luft liegt – Transformation? Die Tage lassen es nicht zu, tiefer hinein zu gehen in dieses Gefühl. Am Wochenende kann ich mir etwas Zeit nehmen.

Ich fühle, ich habe versagt in meiner Partnerschaft – ich spüre es tief in meinem Herzen. In meiner linken Schulter empfinde ich viel Schmerz, den emotionalen Schmerz meiner gesamten Vergangenheit. Schmerz, der sich über Jahre aufgebaut und sich dort verkörpert hat. Weinen. Ich spüre meinen Unterleib, es ist ein ganz feines Gefühl – kaum wahrnehmbar. Es wird deutlicher, wenn ich mit meiner Aufmerksamkeit dort bleibe und dann ist es irgendwie wie eine Platte oder etwas schweres, was auf mir liegt. Diese Schwere zieht sich langsam hoch bis zum Bauchnabel. Tiefe Traurigkeit und Tränen überkommen mich. Es zieht noch höher, bis zum Hals. Mir stockt der Atem, ich bekomme keine Luft – reiße den Mund auf. Ich möchte sprechen, schreien, irgendetwas von mir geben, es kommt kein Ton. Es ist intensiv und – wichtig, dass ich meine Wahrnehmung von einer möglichen Geschichte (die mein Verstand schreiben möchte) trenne. Der Mund öffnet und schließt sich mehrmals, der rechte Arm fängt an zu zittern und dann klappere ich mit den Zähnen. Atmen. Tränen. Ein Bild von meinen Großeltern im Kontor in ihrem Ladengeschäft zeigt sich mir. Ich analysiere nicht und bleibe im Körper, nehme weiter wahr. In meiner linken Gehirnhälfte entsteht etwas Raum, dann feuert mein Nervensystem auf beiden Gehirnhälften und spannt sich an. Links verkrampft es sich zunehmend, Traurigkeit kommt auf – ein Gefühl von nicht wahrhaben wollen? Irgendwas ist geschehen deutet mein Verstand. Es scheint in einer Zeit gewesen zu sein, wo es noch keine Worte gab, vermutlich in der sehr frühen Kindheit.

In meinem Herz nehme ich ein kleines Licht wahr, ein wohlwollendes Gefühl steigt auf – damit verbunden Hoffnung und Neugierde.

Meine Schulter fängt wieder an zu schmerzen, ich lege meine Hand auf, signalisiere, dass dieser Teil nicht alleine ist. Ich weine erneut. Ich rede mir innerlich gut zu, dass es vorbei ist und ich keine Angst zu haben brauche – in Sicherheit bin. Ich – die erwachsene Marion, die inzwischen schon ganz gut für sich selbst sorgen kann und den kindlichen Anteil, der Angst verspürt, an die Hand nimmt.

Mein Herz ist verletzt, mein Kehlkopf findet keine Worte, keinen Laut. Mein Unterleib fühlt sich wie ein Fremdkörper an. Im 7. Monat schwanger – nur mit was? Früher habe ich alles weggedrückt, habe mich eng gemacht, den Bauch weg gedrückt, enge Hosen getragen, mich zu gemacht, Panzer angelegt. So brauchte ich nichts mehr spüren. Das ist heute anders. Zu viele Enge engt mich derzeit ein, es drückt regelrecht in mein Inneres. Mein Hirn feuert und reagiert ‚über‘, außerhalb einer ’normalen‘ Reaktion. Zu stark, zu lange, aufgewühlt. Es möchte sich etwas lösen, transformieren, es möchte etwas losgelassen werden, angenommen und integriert. Noch ist es mir unbekannt. Dieses Gefühl trage ich jetzt schon seit einigen Wochen in mir, mal mehr, mal weniger. Ich versuche darauf zu achten, dass mein Verstand nicht doch eine Geschichte dazu schreibt, was gewesen sein könnte, denn dann setzt sofort eine innere Kontraktion ein, die diese leicht geöffnete Tür vielleicht wieder verschließen könnte.

Irgendwann werde ich ruhig, spüre Stille, merke meinen Atem ein- und ausströmen. Mein Herz nimmt einen tiefen Atemzug und atmet langsam und lange wieder aus. Es wird ruhig im Körper, still und dann entsteht ein innerer Frieden.

Ich wünsche mir (und wo ich wünsche, ist noch wollen da), dass es sich löst, aber die Zeit scheint noch nicht reif. Geduld, annehmen wie es ist und das Weglassen des Verstandes vom Analsysieren, Deuten, Bewerten etc. sind gefragt; denn der Körper ist sehr weise und weiß genau, wann was an der Reihe ist: Wann ausreichend Ressourcen vorhanden sind, um diese ‚festgefrorene‘ Energie, die noch in meinen Zellen gespeichert ist (Zellgedächtnis) in einem Umfeld der Sicherheit nochmals zu erleben und sich damit befreien zu können. Diese Spannung hält sich im Körper, solange wir unserem Nervensystem nicht die ‚Erlaubnis‘ geben, sich davon zu befreien. Ich vertraue.

Ich schreibe diese Wahrnehmung dieses Morgens so konkret auf, um meine Erfahrung zu teilen, dass Prozesse Zeit benötigen. Nicht immer alles sofort deutlich wird und sich transformieren kann. Manchmal sind wir in einem längeren Tal der Tränen gefangen und wenn dann noch das Wollen (Verstand) hinzu kommt, Druck der sich aufbaut (es kann doch nun endlich soweit sein, es fühlt sich so schlecht an, ich bin so depri o.ä.), dann mag sich auch nichts zeigen. Und das kennen wir nur zu gut selbst: Setzen wir uns unter Druck, verkrampfen wir und können ganz sicher nicht loslassen, geschweige denn für irgendetwas öffnen.

Transformation braucht aus meiner Erfahrung heraus die dafür notwendigen Ressourcen: das passende Zeitfenster, den entsprechenden Raum, Sicherheit und bei traumatischem Erleben auch eine vertrauensvolle Begleitung. Unsere Körperweisheit weiß, wann sich etwas zeigen darf und es braucht oft erst diesen ‚Raum‘, damit wir es annehmen und loslassen können. Ich habe erfahren, dass es nicht in einer ‚Hau-ruck‘ Aktion und mit Willen geht. Es braucht eine gewisse innere Stille, Bereitschaft sowie Offenheit, sich auch dem, was sich zeigen möchte, zu stellen, stellen zu können. Hier ist auch eine gewisse Entschlossenheit notwendig, sich zu trauen, über die Klippe zu gehen und zu schauen, was sich in dem vermeintlich so gefährlichen Abgrund zeigen wird. Wenn du Lust hast, kannst du mein Erleben hierzu in meinem Artikel Angst – vor der eigenen Entfaltung? nachlesen.

Meine Erfahrung ist – und das ist die gute Nachricht: wenn der Körper soweit ist und wir ganz in der Stille und in uns sind, dann dürfen Prozesse geschehen und das Leben wird nach jeder Transformation heller, lebendiger, verbundener, reicher. Von daher möchte ich Mut machen, den eigenen Mut und Stärke, die in jeder(m) von uns steckt, aufzubringen und diese für sich selbst einzusetzen, um in die ganz eigene Ent-faltung zu kommen. Und diese ‚Virus-Zeit‘ gerade ist so wertvoll, weil schon ganz viel an die Oberfläche kommen durfte und manchmal nur (noch) auf Ent-faltung wartet. Die gehaltene Geschichte in unseren Körperzellen, diese Energie, die sich entladen möchte und damit Platz für Neues, Schönes, Lichtvolles schafft.

In diesem Sinne und mit kraftvollen Grüßen

Marion

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