Angst – vor der eigenen Entfaltung?

Angst vor der eigenen Entfaltung

Wovor besteht eigentlich unsere größte Angst im Leben? Vielleicht uns ein Stückchen näherzukommen? Uns zu zeigen, so wie wir sind? Es zählt ja oftmals nur noch das höher, schneller, weiter, schöner, mehr,… Da hat es keinen Platz mehr für uns, das Mensch-sein. Nur noch Informationsverarbeitung (egal, ob wir diese überhaupt noch aufnehmen können), Ökonomisierung im Beruf und übertragen in unser Privatleben (wir müssen ja irgendwie alles unter einen Hut bringen), systematisierte Nachrichten, die uns das zeigen, was die Mehrheit vermeintlich für wichtig erachtet. Ich frage mich: Wo bleibt der Mensch dabei?

Das, was uns Angst macht, ist doch oft das Ungewisse im Leben. Das nicht darauf einstellen können, was kommt. Über eine Klippe zu gehen und nicht zu wissen, was der nächste Schritt bringt. Und genau hier den Mut zu fassen in diese Ungewissheit einzutreten. Den Mut, diesen Schritt zu gehen. Denn meine Erfahrung zeigt, dass es danach Befreiung gibt. Dass sich etwas lösen kann (oft etwas lange festgehaltenes), dass etwas Raum bekommen hat. Und trotzdem fällt es auch mir immer wieder aufs neue schwer. Diese Angst vor dem Ungewissen, dem Dunkeln, dem Stein hinter der Klippe, der nicht halten könnte, uns abrutschen lässt in die Tiefe, das Unbekannte, Ungewisse.

Um sich dieser ‚Gefahr‘ nicht auszusetzen, verbleiben wir stattdessen lieber in unserem Leid, in Schmerz oder unserer Schuld, in unserem bekannten Dasein. Denn das Bekannte scheint uns vermeintlich Sicherheit zu geben – auch wenn es mit Schmerz & Leid verbunden ist. Wir leiden lieber, als uns zu befreien. Zu befreien von Äußerlichkeiten, die uns unserem Inneren –  unserer wahren Essenz näher bringen könnten. Wir wehren uns mit Händen und Füßen, weil die Angst vor dem Unbekannten so groß ist.

Ich stand auch gerade wieder vor einer dieser Klippen; der Entscheidung, weiter unter den körperlichen Empfindungen aus Schmerz & Leid zu verharren oder meine Komfortzone zu verlassen und diese Angst zu überwinden, auszubrechen aus diesem sich immer wieder drehenden Hamsterrad. Um meine Angst etwas zu verringern, gab ich ihr einfach einen Namen: mein Vater. Plötzlich schien diese Angst zumindest aushaltbar zu sein – was ich vorher nicht für möglich gehalten hätte. Ich konnte Sie ‚ertragen‘, es gab etwas Raum, mich nicht gleich zu wehren, zu kämpfen oder nicht gleich davon laufen zu wollen. Ich weiß auch heute nicht, was diese Angst auslöst bei mir, aber ich bin ein gutes Stück freier geworden. Ich spüre mich an den Stellen, die diese Angst verkörpert hat heute mehr, bin freier, belebt. Ich habe diesen Teil meines Körpers ‚wiederentdeckt‘, ich kann ihn jetzt neu bewohnen. Und ich kann mich meiner Angst beim nächsten Mal vielleicht leichter stellen, da ich schon einmal einen Schritt über diese Klippe getan habe. Es bringt ein Gefühl von Stolz mit sich: Sich nicht von der Vergangenheit einfangen zu lassen und im Hier & Jetzt eine Entscheidung (zu meinen Gunsten) getroffen zu haben. Mich nicht mehr durch meine ‚versteckte‘ Angst steuern zu lassen, gefangen zu sein, sondern zu leben und zwar was ‚Ich bin‘, unabhängig von allen Äußerlichkeiten.

Jeder Weg über eine solche Klippe ist ein Weg näher zu uns selbst. Es braucht seine Zeit, auch das habe ich gelernt. Und uns anzunehmen, so wie wir sind und nicht so, wie uns andere vielleicht haben mögen.

Herzlichst und mit allen Sinnen

Marion

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  1. […] Abgrund zeigen wird. Wenn du Lust hast, kannst du mein Erleben hierzu in meinem Artikel Angst – vor der eigenen Entfaltung? […]

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